Ernährung

Bioaktive Verbindungen bei veganer Ernährung: Carnosin, Cholin, Taurin, Kreatin und Carnitin

Von Daniel Suckrow · Ganzheitliche Ernährungsberatung

Carnosin, Cholin, Taurin, Kreatin und Carnitin kommen in unterschiedlichen Mengen in tierischen und pflanzlichen Lebensmitteln vor. Einige sind in tierischen Lebensmitteln besonders konzentriert; zugleich kann der menschliche Körper mehrere dieser Verbindungen selbst herstellen. Niedrigere Blutwerte bei vegan lebenden Menschen bedeuten deshalb nicht automatisch einen Mangel oder gesundheitlichen Nachteil.

Carnosin und Beta-Alanin

Carnosin ist ein Dipeptid aus Beta-Alanin und Histidin. Es kommt vor allem in Fleisch und Fisch vor und trägt im Skelettmuskel unter anderem zur Pufferung von Säure während intensiver Belastung bei. Weitere biochemische Eigenschaften werden erforscht; eine allgemeine Anti-Aging-Wirkung beim Menschen ist nicht belegt.

Beta-Alanin ist eine Vorstufe der Carnosinbildung und kann die Carnosinspeicher im Muskel erhöhen. Die beste Evidenz betrifft bestimmte intensive Belastungen von etwa ein bis vier Minuten Dauer. Es ist kein allgemein notwendiges Supplement. Als Nebenwirkung kann vorübergehend Kribbeln oder ein Hitzegefühl der Haut auftreten.

Cholin: Zellmembranen und Stoffwechsel

Cholin ist ein essenzieller Nährstoff. Es wird für Zellmembranen, die Bildung des Neurotransmitters Acetylcholin und den Fettstoffwechsel benötigt. Der Körper kann Cholin in begrenztem Umfang selbst herstellen; ein wesentlicher Teil muss über die Ernährung aufgenommen werden.

Cholin steckt unter anderem in Sojabohnen, Hülsenfrüchten, Kreuzblütlergemüse, Nüssen, Samen und Vollkornprodukten. Der Bedarf hängt unter anderem von Geschlecht, Lebensphase, Folat- und Methioninversorgung sowie genetischen Faktoren ab. Kreatin zu supplementieren ist keine verlässliche Methode, um die Cholinversorgung sicherzustellen. Eine pauschale Cholin-Supplementierung für alle vegan lebenden Menschen ist nicht begründet.

Taurin: Eine schwefelhaltige Verbindung

Taurin ist keine proteinbildende Aminosäure, sondern eine schwefelhaltige Verbindung, die unter anderem in Gehirn, Herz, Muskeln und Netzhaut vorkommt. Sie ist an verschiedenen Funktionen beteiligt, etwa an der Regulation des Zellvolumens und am Gallensäurestoffwechsel. Der Körper kann Taurin aus schwefelhaltigen Aminosäuren herstellen.

Bei vegan lebenden Menschen wurden in einigen Untersuchungen niedrigere Taurinkonzentrationen gemessen. Daraus folgt nicht automatisch ein klinisch relevanter Mangel. Für eine routinemäßige Taurin-Supplementierung gesunder Veganer*innen fehlen überzeugende klinische Belege.

Kreatin: Energiepuffer in Muskel und Gehirn

Kreatin unterstützt die schnelle Regeneration von ATP über das Kreatinphosphat-System. Der Körper bildet Kreatin aus Arginin, Glycin und Methionin, vor allem in Leber und Niere. Es wird nicht direkt aus Folat und Vitamin B12 gebildet.

Da Kreatin überwiegend in Fleisch und Fisch vorkommt, nehmen vegan lebende Menschen über die Nahrung meist weniger davon auf und können niedrigere Muskel-Kreatinspeicher haben. Kreatin-Monohydrat ist eines der am besten untersuchten Sport-Supplemente und kann insbesondere bei wiederholten hochintensiven Belastungen und Krafttraining hilfreich sein. Häufig untersuchte Erhaltungsdosierungen liegen bei etwa 3–5 g täglich. Bei Nierenerkrankungen sollte die Einnahme medizinisch besprochen werden.

Carnitin: Transport langkettiger Fettsäuren

Carnitin unterstützt den Transport langkettiger Fettsäuren in die Mitochondrien. Der Körper kann es aus Lysin und Methionin selbst herstellen; beteiligt sind unter anderem Vitamin C, Eisen und bestimmte B-Vitamine. Bei gesunden Erwachsenen reicht die körpereigene Synthese normalerweise aus, auch wenn die Zufuhr über eine vegane Ernährung sehr gering ist.

Eine routinemäßige L-Carnitin-Supplementierung ist deshalb für gesunde Veganer*innen nicht generell erforderlich. Medizinisch relevante Mängel treten vor allem bei bestimmten Stoffwechselstörungen oder besonderen klinischen Situationen auf. Darmbakterien können aus Carnitin TMA bilden, das in der Leber zu TMAO umgewandelt wird; die gesundheitliche Bedeutung ist komplex und nicht abschließend geklärt.

Fazit: Körpereigene Synthese und individueller Bedarf

Der Körper kann Carnosin, Taurin, Kreatin und Carnitin teilweise oder vollständig selbst herstellen; Cholin muss zusätzlich in ausreichender Menge über die Ernährung aufgenommen werden. Niedrigere Zufuhr oder Konzentrationen bei veganer Ernährung beweisen allein keinen Mangel.

Kreatin kann für sportlich aktive Menschen eine gut untersuchte Ergänzung sein. Beta-Alanin ist vor allem für bestimmte intensive Sportbelastungen relevant. Für eine allgemeine Supplementierung von Taurin, Carnitin oder Carnosin zur Vorbeugung von Alterung und Krankheiten fehlt eine überzeugende Evidenz. Eine abwechslungsreiche Ernährung und eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung bleiben die Grundlage.

Quellen